Foto: Christian Blobner, https://www.instagram.com/chbphotog/

Promotionskolloquium Stefan Voigt

Agile Methoden, wie bspw. Scrum oder XP, haben sich als Gegenentwurf zu dokumentationslastigen, traditionellen Prozessen in der Softwareentwicklung etabliert. Dokumentation spielt in diesen Ansätzen eine untergeordnete Rolle, da mehr auf die direkte Kommunikation fokussiert wird. Die Vernachlässigung von Dokumentation führt allerdings dazu, dass Erfahrungen des Projektteams lediglich in den Köpfen der Entwickler verbleiben. Gerade beim Wechsel von Teammitgliedern, bei der Übergabe von Projekten oder beim Ausscheiden von Mitarbeitern aus dem Unternehmen besteht ein hohes Wissensverlustpotenzial. In Forschung und Praxis fehlen bisher geeignete Techniken und Methoden, die die Dokumentation adäquat unterstützen und dennoch mit den Grundsätzen der agilen Entwicklung vereinbar sind.

Ziel und Inhalt der Dissertation

Das Ziel der Dissertation von Herrn Voigt bestand darin, ein integriertes Konzept zur Dokumentation in agilen Softwareprojekten – bestehend aus einem Methoden- und Werkzeugteil – zu entwickeln. Die Untersuchung des Gegenstands „Dokumentation in agilen Softwareprojekten“ bedarf einer theoretischen und empirischen Fundierung. Daher wird auf Basis bestehender wissenschaftlicher Ansätze zum Information-Behavior ein eigenes Modell zum Informations- und Dokumentationsverhalten entwickelt. Dieses Modell dient zur Erklärung der Phänomene der Dokumentation in agilen Projekten und zur Ableitung von Anforderungen aus der Praxis an das zu entwickelnde Konzept. Integriert wird das Konzept einerseits dadurch, dass das Werkzeug innerhalb der Methode benötigt wird. Andererseits ist die Methode innerhalb des Werkzeugs dergestalt verankert, dass es die Methode vermittelt und deren Anwendung adäquat unterstützt.

Entsprechend der häufig geäußerten Kritik an agilen Methoden, sie seien nur für kleine Projekte geeignet, wurde bei der Konzeption der Methode vor allem auf deren Skalierbarkeit geachtet. Anhand einer Morphologie von Projekteigenschaften können ein geeigneter Agilitätsgrad und eine passende Dokumentationsstufe zur Skalierung der Dokumentationsmethode abgeleitet werden. Die Beschreibung der Methode erfolgt entlang der Fragen: Warum wird dokumentiert? Für wen (Zielgruppe) wird dokumentiert? Was wird dokumentiert? Welche Dokumente entstehen? Wieviel wird dokumentiert? Woher kommen die Informationen? Wie wird dokumentiert? Womit wird dokumentiert? Wer dokumentiert? Wann werden Dokumentationsschritte angestoßen?

Das Werkzeugkonzept baut auf einem strukturierten Wiki als Basis auf. Innerhalb des Werkzeugkonzeptes wurden drei Schwerpunkte bearbeitet: Integration mit weiteren Werkzeugen im agilen Entwicklungsprozess, Struktur- und Kontextflexibilität sowie Unterstützung der Entwickler bei der Anwendung der Methode.

Am 3. April 2017 hat Herr Voigt sein Promotionskolloquium erfolgreich abgeschlossen. Seine Dissertation mit dem Titel „Entwicklung eines integrierten Konzeptes für die Dokumentation in agilen Softwareprojekten“ wird im Fraunhofer-Verlag veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.